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Ernährung · Medikamente

Wechselwirkungen: Wenn Grapefruit, Kaffee oder Johanniskraut deine Medikamente verändern

17 Min. Lesezeit YUTHI Redaktion

Wechselwirkungen entstehen nicht nur zwischen Tabletten. Grapefruitsaft, der Morgenkaffee, ein Kalziumpräparat oder ein pflanzliches Mittel können verändern, wie viel Wirkstoff in deinem Blut ankommt. Welche Beispiele gut belegt sind und wie du dich schützt.

Samstagvormittag, Brunch bei Freunden. Auf dem Tisch stehen frisch gepresster Grapefruitsaft, Kaffee und ein Korb mit Brötchen. Du hast deine Tabletten mitgenommen, weil du sie zum Frühstück nimmst, und spülst sie mit einem Glas Saft herunter. Zu Hause im Badezimmerschrank steht seit ein paar Wochen eine Packung Johanniskraut, weil der Herbst dir auf die Stimmung drückt. Und weil du seit der letzten Blutabnahme etwas Eisen nimmst, liegt auch das bereit. Alles rein pflanzlich oder ganz normales Essen, denkst du.

Genau hier setzt dieser Artikel an. Dass sich zwei Tabletten in die Quere kommen können, wissen die meisten. Weniger bekannt ist, dass auch Lebensmittel, Getränke und Nahrungsergänzungsmittel verändern können, wie viel von einem Wirkstoff in deinem Blut ankommt und wie lange er dort bleibt. Manchmal wirkt ein Medikament dann schwächer, manchmal deutlich stärker als gedacht.

Wir haben uns auf Beispiele beschränkt, die in Studien gemessen wurden: Grapefruit, Johanniskraut, Kalzium und Eisen mit Schilddrüsenhormon, Kaffee, Milchprodukte mit einem Antibiotikum, Vitamin K mit bestimmten Gerinnungshemmern sowie Koffein und Rauchstopp. Eine vollständige Liste kann kein Artikel ersetzen. Ob etwas für dein Medikament gilt, klärst du immer mit deiner Apotheke, deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Was ist eine Wechselwirkung bei Medikamenten?

Eine Wechselwirkung liegt vor, wenn ein Stoff die Wirkung eines Medikaments verändert. Das kann ein anderes Medikament sein, aber auch ein Lebensmittel oder ein Nahrungsergänzungsmittel. In einer US-Studie waren 2010/2011 rund 15 Prozent der 62- bis 85-Jährigen dem Risiko einer schweren Wechselwirkung ausgesetzt, meist durch Medikamente zusammen mit Supplementen.

Es gibt zwei Hauptwege. Beim ersten wird die Aufnahme im Darm gestört: Ein Stoff bindet den Wirkstoff, sodass weniger davon ins Blut gelangt. Beim zweiten wird der Abbau verändert. Viele Medikamente werden in Darmwand und Leber von Enzymen abgebaut, die Fachleute Cytochrom-P450-Enzyme nennen und mit Kürzeln wie CYP3A4 oder CYP1A2 bezeichnen. Bremst ein Stoff diese Enzyme, steigt der Spiegel des Medikaments. Treibt er sie an, sinkt er.

Wie verbreitet das ist, zeigt eine Studie von Qato und Kollegen in JAMA Internal Medicine von 2016. Sie besuchten in den USA Menschen zwischen 62 und 85 Jahren zu Hause und sahen sich alle Packungen an, einmal 2005/2006 mit 2351 und einmal 2010/2011 mit 2206 Teilnehmenden. Der Anteil, der Nahrungsergänzungsmittel nahm, stieg in dieser Zeit von 51,8 auf 63,7 Prozent, der Anteil mit möglicher schwerer Wechselwirkung von 8,4 auf 15,1 Prozent.

Die meisten dieser riskanten Kombinationen enthielten Medikamente und Supplemente, die in dieser Zeit beliebter geworden waren. Die Studie stammt aus den USA, das Prinzip gilt aber überall: Je mehr Mittel zusammenkommen, desto wichtiger ist es, dass jemand den Überblick hat. Mehr dazu liest du im Artikel über mehrere Medikamente und den Medikationsplan.

Mehrere Medikamente und der Medikationsplan

Warum ist Grapefruit bei Medikamenten gefährlich?

Grapefruit enthält Stoffe, die ein wichtiges Abbau-Enzym im Darm dauerhaft hemmen. Dadurch kann der Spiegel bestimmter Medikamente stark steigen. Laut einer Übersicht im Canadian Medical Association Journal kann Grapefruit mit mehr als 85 Medikamenten wechselwirken, bei 43 davon mit möglichen schweren Folgen. 2008 waren es erst 17 solcher Mittel.

Die Übersicht stammt von David Bailey, George Dresser und Malcolm Arnold aus London in Kanada und erschien online im November 2012. Die verantwortlichen Stoffe heißen Furanocumarine. Sie legen das Enzym CYP3A4 in der Darmwand dauerhaft lahm, bis der Körper neues gebildet hat.

Deshalb kommt es nicht darauf an, ob du den Saft gleichzeitig mit der Tablette trinkst. Laut der Pressemitteilung der Western University kann die Wechselwirkung auch auftreten, wenn die Grapefruit viele Stunden vor dem Medikament gegessen wurde. Als Beispiel nennen die Forschenden ein Glas mit 200 Millilitern Grapefruitsaft: einmal täglich über drei Tage getrunken, stieg der Spiegel des Cholesterinsenkers Simvastatin auf 330 Prozent des Werts mit Wasser.

Dieselben Stoffe stecken laut den Forschenden auch in Bitterorangen, Limetten und Pomelos. Laut den Forschenden sind Menschen über 45 besonders betroffen, weil sie am meisten Grapefruit kaufen und die meisten Medikamente verordnet bekommen. Ältere Menschen vertragen zu hohe Wirkstoffspiegel zudem schlechter.

Ob dein Medikament betroffen ist, steht in der Packungsbeilage oder erfährst du in der Apotheke. Die Liste ändert sich mit jedem neuen Wirkstoff, deshalb ist eine aktuelle Auskunft besser als eine alte Tabelle aus dem Internet.

Wie verändert Johanniskraut die Wirkung von Medikamenten?

Johanniskraut kurbelt den Abbau vieler Medikamente an, sodass ihr Spiegel sinkt. Eine Übersicht von 2020 nennt unter anderem Digoxin, Tacrolimus, Warfarin, Alprazolam, Simvastatin und die Pille. Im Jahr 2000 kam es nach Johanniskraut bei zwei Menschen mit Spenderherz zu einer akuten Abstoßung, weil der Spiegel ihres Medikaments Ciclosporin sank.

Johanniskraut wird als pflanzliches Mittel bei gedrückter Stimmung verwendet und ist vielerorts ohne Rezept erhältlich. Gerade weil es pflanzlich ist, wird es oft nicht als Medikament wahrgenommen und beim Arztbesuch nicht erwähnt. Die Forschungsgruppe um Simona Nicolussi aus Basel hat 2020 im British Journal of Pharmacology zusammengefasst, was 20 Jahre Forschung über seine Wechselwirkungen ergeben haben.

Der Mechanismus: Inhaltsstoffe des Johanniskrauts aktivieren im Körper einen Schalter namens Pregnan-X-Rezeptor. Dieser treibt das Abbau-Enzym CYP3A4 an und zusätzlich eine Art Pumpe namens P-Glykoprotein, die Wirkstoffe aus den Zellen befördert. Beides senkt den Spiegel vieler Medikamente. Wie stark das passiert, hängt mit dem Gehalt an Hyperforin zusammen, einem Inhaltsstoff, der je nach Präparat unterschiedlich hoch ist.

Zu den betroffenen Mitteln gehören das Herzmittel Digoxin, Tacrolimus und Ciclosporin, die nach Organtransplantationen das Immunsystem bremsen, der Gerinnungshemmer Warfarin, das Beruhigungsmittel Alprazolam, der Cholesterinsenker Simvastatin, das HIV-Mittel Indinavir und hormonelle Verhütungsmittel. Bei manchen dieser Medikamente kann ein zu niedriger Spiegel schwere Folgen haben.

Wenn du Johanniskraut nimmst oder nehmen möchtest, sag es deiner Ärztin, deinem Arzt und deiner Apotheke, bevor du anfängst und auch bevor du es wieder absetzt.

Wirkt die Pille noch, wenn du Johanniskraut nimmst?

Die Wirkung kann beeinträchtigt sein. In einer Studie mit zwölf Frauen sank unter Johanniskraut die Halbwertszeit des Östrogens aus der Pille von 23,4 auf 12,2 Stunden. Zwischenblutungen traten bei sieben von zwölf Frauen auf, ohne Johanniskraut nur bei zwei. Die Forschenden rieten, über eine zusätzliche Barrieremethode nachzudenken. Sprich darüber mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt.

Hall und Kollegen aus Indianapolis veröffentlichten diese Studie 2003 in Clinical Pharmacology and Therapeutics. Zwölf gesunde Frauen, die schon länger mit der Pille verhüteten, nahmen sie drei Zyklen lang. Im zweiten und dritten Zyklus nahmen sie zusätzlich dreimal täglich Johanniskraut.

Unter Johanniskraut wurde das Gestagen der Pille schneller aus dem Körper entfernt, und die Halbwertszeit des Östrogens halbierte sich ungefähr. Die Halbwertszeit ist die Zeit, nach der nur noch die Hälfte eines Wirkstoffs im Blut ist. Die Hormone, die anzeigen, ob ein Eisprung stattfindet, veränderten sich in dieser kleinen Studie allerdings nicht messbar.

Die Studie kann also nicht beweisen, dass die Pille unter Johanniskraut versagt. Die häufigeren Zwischenblutungen sind aber ein Warnsignal. Ob für dich eine zusätzliche Verhütung sinnvoll ist oder ob ein anderes Mittel gegen die gedrückte Stimmung besser passt, besprichst du mit deiner Frauenärztin, deinem Frauenarzt oder in der Apotheke.

Darf man Kalzium oder Eisen zusammen mit Schilddrüsenhormon nehmen?

Gleichzeitig eingenommen können beide die Wirkung von Schilddrüsenhormon schwächen. In einer Studie mit 20 Menschen stieg der TSH-Wert unter Kalzium im Mittel von 1,6 auf 2,7 Milli-Einheiten pro Liter. In einer Studie mit 14 Menschen stieg er unter Eisen von 1,6 auf 5,4. Welcher Abstand für dich passt, klärst du mit Apotheke oder Ärztin.

Schilddrüsenhormon in Tablettenform heißt Levothyroxin oder L-Thyroxin. Ob die Dosis passt, zeigt vor allem der TSH-Wert im Blut. TSH ist das Hormon, mit dem die Hirnanhangdrüse die Schilddrüse antreibt. Steigt er, ist das ein Zeichen dafür, dass im Körper zu wenig Schilddrüsenhormon ankommt. Mehr dazu liest du im Artikel über die Schilddrüsen-Diagnostik.

Singh und Kollegen ließen 2000 in JAMA 20 Menschen, die seit Langem stabil auf Levothyroxin eingestellt waren, drei Monate lang 1200 Milligramm Kalzium als Kalziumkarbonat am Tag zusammen mit ihrer Tablette nehmen. Der Spiegel des freien Schilddrüsenhormons sank, der TSH-Wert stieg, und bei 20 Prozent der Teilnehmenden lag er über dem Normalbereich. Zwei Monate nach dem Absetzen des Kalziums waren die Werte wieder wie vorher. Im Reagenzglas zeigte sich, dass sich das Hormon in saurer Umgebung an das Kalzium heftet.

Campbell und Kollegen gaben 1992 in den Annals of Internal Medicine 14 Menschen mit Schilddrüsenunterfunktion zwölf Wochen lang täglich eine Eisentablette mit 300 Milligramm Eisensulfat gleichzeitig mit ihrem Hormon. Der TSH-Wert stieg im Mittel von 1,6 auf 5,4, und neun der 14 hatten mehr Anzeichen einer Unterfunktion. Im Reagenzglas bildeten Eisen und Hormon einen schwer löslichen violetten Komplex.

Beide Studien waren klein und hatten keine Vergleichsgruppe. Sie zeigen aber deutlich, dass gleichzeitig genommene Mineralstoffe stören können. Das betrifft auch Multivitamin- und Mineralstoffpräparate. Wenn du Kalzium oder Eisen nimmst, frag in der Apotheke, mit welchem Abstand zu deinem Schilddrüsenhormon du sie nehmen sollst, und lass deinen TSH-Wert nach einer Änderung kontrollieren.

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Darf man Schilddrüsentabletten mit Kaffee nehmen?

Besser nicht gleichzeitig. In einer italienischen Studie senkte Kaffee, mit dem die Tablette geschluckt wurde, die Menge an aufgenommenem Schilddrüsenhormon um 27 bis 36 Prozent. Wurde die Tablette mit Wasser genommen und der Kaffee erst 60 Minuten später getrunken, war die Aufnahme ähnlich wie mit Wasser allein.

Benvenga und Kollegen von der Universität Messina beschrieben 2008 in der Fachzeitschrift Thyroid acht Frauen, deren TSH-Wert zu hoch blieb, solange sie ihr Levothyroxin mit Kaffee oder Espresso schluckten. Sechs von ihnen und neun gesunde Freiwillige machten danach einen Aufnahmetest: Sie schluckten das Hormon einmal mit Kaffee, einmal mit Wasser und einmal mit Wasser und eine Stunde später Kaffee. Gemessen wurde vier Stunden lang, wie viel Hormon im Blut ankam.

Mit Kaffee kam bei den Patientinnen 36 Prozent weniger Hormon an, bei den Freiwilligen 27 Prozent, und der höchste Wert wurde später erreicht. Bei Wasser mit Kaffee eine Stunde später unterschieden sich die Ergebnisse nicht von Wasser allein. Ballaststoffe aus Kleie störten die Aufnahme in der Studie sogar noch stärker als Kaffee.

Das bedeutet nicht, dass du auf deinen Morgenkaffee verzichten musst. Es geht um die Reihenfolge. Wie viel Abstand für dein Präparat empfohlen ist, steht in der Packungsbeilage oder erfährst du in der Apotheke. Mehr über Koffein liest du im Artikel über Koffein.

Koffein

Darf man Antibiotika mit Milch oder Joghurt einnehmen?

Bei manchen Antibiotika nicht. In einer Studie mit sieben gesunden Freiwilligen sank die Aufnahme des Antibiotikums Ciprofloxacin um 30 bis 36 Prozent, wenn es mit Milch oder Joghurt statt mit Wasser geschluckt wurde. Der Höchstwert im Blut lag mit Milch um 36 Prozent, mit Joghurt um 47 Prozent niedriger. Ob dein Antibiotikum betroffen ist, steht in der Packungsbeilage.

Neuvonen und Kollegen gaben 1991 in Clinical Pharmacology and Therapeutics sieben nüchternen Freiwilligen 500 Milligramm Ciprofloxacin, einmal mit 300 Millilitern Wasser, einmal mit Milch und einmal mit Joghurt. Eine halbe Stunde nach der Einnahme war der Spiegel mit Milch um 70 Prozent und mit Joghurt um 92 Prozent niedriger als mit Wasser.

Die Forschenden warnten, dass dadurch Infektionen mit Erregern, die nur mäßig auf das Mittel ansprechen, schlechter behandelt werden könnten. Sie rieten davon ab, Ciprofloxacin zusammen mit größeren Mengen flüssiger Milchprodukte zu nehmen.

Das gilt nicht für alle Antibiotika gleichermaßen. Manche werden durch Milchprodukte kaum beeinflusst, andere schon. Deshalb lohnt sich bei jedem neuen Antibiotikum der Blick in die Packungsbeilage oder eine kurze Frage bei der Abgabe in der Apotheke: Womit soll ich es nehmen, und was meide ich besser?

Muss man bei Blutverdünnern auf Vitamin K verzichten?

Nach heutiger Studienlage nicht. Eine Übersicht von 2016 fand keine Belege dafür, dass Menschen, die Vitamin-K-Antagonisten wie Warfarin oder Phenprocoumon nehmen, ihre Ernährung umstellen oder Vitamin-K-reiches Gemüse meiden sollten. Wichtiger ist, große Schwankungen zu vermeiden. Gilt für deinen Blutverdünner etwas anderes, sagt es dir deine Ärztin oder dein Arzt.

Vitamin-K-Antagonisten sind eine ältere Gruppe von Gerinnungshemmern. Sie wirken, indem sie Vitamin K in der Leber ausbremsen, das der Körper für die Blutgerinnung braucht. Lange wurde deshalb geraten, grünes Blattgemüse wie Spinat oder Grünkohl zu meiden. Wie gut die Blutgerinnung eingestellt ist, wird mit dem INR-Wert gemessen.

Violi und Kollegen aus Rom und Birmingham fassten 2016 in der Fachzeitschrift Medicine zwei Ernährungsstudien und neun Beobachtungsstudien zusammen. Die Ergebnisse waren widersprüchlich: In manchen sank der INR-Wert mit mehr Vitamin K, andere deuteten darauf hin, dass eine Mindestmenge Vitamin K sogar für eine stabile Einstellung nötig ist. Die Teilnehmenden nahmen im Mittel zwischen 76 und 217 Mikrogramm Vitamin K am Tag auf. Ein Effekt auf die Gerinnung zeigte sich am ehesten bei mehr als 150 Mikrogramm.

Das Fazit der Autorinnen und Autoren: Vitamin K aus der Nahrung einzuschränken, scheint kein geeigneter Weg zu sein, die Einstellung zu verbessern. Sinnvoller sei es, die Essgewohnheiten stabil zu halten und große Sprünge zu vermeiden. Wenn du also deine Ernährung deutlich umstellst, zum Beispiel mit einer neuen Diät oder einem Supplement mit Vitamin K, sag es vorher deiner Ärztin oder deinem Arzt. Die Übersicht betrifft nur Vitamin-K-Antagonisten. Was für deinen Gerinnungshemmer gilt, erklärt dir deine Apotheke.

Wie beeinflussen Koffein und ein Rauchstopp den Abbau von Medikamenten?

Beides läuft über dasselbe Enzym, CYP1A2. Das Antidepressivum Fluvoxamin verlängerte in einer Studie die Halbwertszeit von Koffein von 4,9 auf 56 Stunden. Umgekehrt sank nach einem Rauchstopp bei starken Raucherinnen und Rauchern die Aktivität dieses Enzyms, der Koffeinabbau ging um 36 Prozent zurück. Manche Medikamente können dann höher im Blut ankommen.

Culm-Merdek und Kollegen aus Boston gaben 2005 sieben gesunden Freiwilligen zwei Tage lang Fluvoxamin oder ein Placebo und dazu einmal Koffein. Mit Fluvoxamin baute der Körper das Koffein so viel langsamer ab, dass die Halbwertszeit von 4,9 auf 56 Stunden stieg. Stärker wach machte das Koffein dadurch nicht. Die Forschenden schließen aber nicht aus, dass sich Koffein bei täglichem Kaffee im Körper anstaut und Nebenwirkungen auslöst.

Zigarettenrauch wirkt in die andere Richtung: Er treibt CYP1A2 an. Faber und Fuhr aus Köln untersuchten 2004 zwölf Menschen, die 20 oder mehr Zigaretten am Tag rauchten und dann von einem Tag auf den anderen aufhörten. Die Aktivität des Enzyms, gemessen am Abbau von Koffein, sank um 36,1 Prozent die Hälfte dieses Rückgangs war schon nach rund 39 Stunden erreicht. Medikamente, die über dieses Enzym abgebaut werden, etwa Theophyllin gegen Atemwegserkrankungen oder das Psychopharmakon Clozapin, können dadurch höher im Blut ankommen.

Ein Rauchstopp ist eine der besten Entscheidungen für deine Gesundheit. Wenn du Medikamente nimmst, sag deiner Ärztin oder deinem Arzt, dass du aufhörst, und zwar möglichst vorher. Nur sie können entscheiden, ob bei einem deiner Mittel etwas angepasst oder der Spiegel kontrolliert werden muss. Ändere selbst nichts an der Dosis.

Wie erfährst du, ob ein Supplement zu deinen Medikamenten passt?

Frag vor jedem neuen Mittel in der Apotheke, auch bei pflanzlichen Präparaten und Nahrungsergänzungsmitteln. In der Schweiz prüft das Apothekenteam beim sogenannten Medikamenten-Check jedes Rezept auch auf Wechselwirkungen. Damit das funktioniert, muss die Apotheke wissen, was du sonst noch nimmst. Eine vollständige Liste ist deshalb dein bester Schutz.

Laut dem Schweizerischen Apothekerverband pharmaSuisse prüfen beim Medikamenten-Check zwei Personen im Apothekenteam das Rezept auf Risiken, Widersprüche, Dosierung und mögliche Wechselwirkungen und nehmen bei Bedarf Rücksprache mit der verordnenden Ärztin oder dem verordnenden Arzt. Beim sogenannten Bezugs-Check legt die Apotheke ein Dossier an, damit sie Unverträglichkeiten auch dann erkennt, wenn du bei mehreren Ärztinnen und Ärzten in Behandlung bist.

Eine solche Prüfung kann nur finden, was sie kennt. Supplemente aus dem Internet, Tees aus der Drogerie oder Präparate aus dem Urlaub tauchen in keinem Apothekensystem auf. Nimm deshalb beim nächsten Besuch eine Liste mit, auf der alles steht: verschriebene Medikamente, rezeptfreie Mittel, pflanzliche Präparate und Nahrungsergänzungsmittel.

Gute Fragen bei jedem neuen Mittel sind: Verträgt es sich mit dem, was ich schon nehme? Muss ich es mit Abstand zu bestimmten Lebensmitteln oder Getränken nehmen? Und was soll ich tun, wenn ich etwas Ungewöhnliches bemerke? Wie eine vollständige Liste aussieht und welche Checks es in Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt, liest du im Artikel über mehrere Medikamente.

Mehrere Medikamente und der Medikationsplan

So hilft dir die YUTHI-App

Wenn du in der YUTHI-App Medikamente einträgst, kennt dein Coach sie und kann dich auf mögliche Wechselwirkungen hinweisen. Beurteilen darf er sie nicht. Die App prüft jede seiner Antworten deshalb selbst: Bewertet er eine Wechselwirkung oder rät er, ein Mittel wegzulassen, wird die Antwort richtiggestellt. Spricht er ein Supplement an, ohne an Ärztin oder Arzt zu verweisen, wird der Hinweis ergänzt.

Einige belegte Verbindungen aus diesem Artikel zeigt die App direkt in den Bereichen. Steht L-Thyroxin in deiner Liste und trägst du Kaffee ein, erinnert dich der Bereich Trinken an die Studie von Benvenga. Nimmst du Fluvoxamin und trinkst Koffeinhaltiges, weist er auf den langsameren Koffeinabbau hin. Und hast du im Bereich Rauchstopp dein Aufhördatum gesetzt, rät dir die App, deiner Ärztin oder deinem Arzt davon zu erzählen. Jeder Hinweis nennt seine Quelle, und es kommt höchstens einer je Bereich und Tag.

Auf der Seite Verträglichkeit steht, was über Johanniskraut belegt ist, mit dem klaren Satz, dass YUTHI nicht prüft, ob sich deine Mittel vertragen. Das gehört in die Hände von Apotheke, Ärztin oder Arzt. Damit du dort alles zeigen kannst, stehen deine Medikamente und deine Supplemente an einem Ort, und für den nächsten Termin erstellst du daraus einen Bericht als PDF.

Und wie ist es bei dir: Weiß deine Apotheke eigentlich, was in deinem Badezimmerschrank neben den verschriebenen Tabletten steht?

YUTHI-App

Häufige Fragen

Wie lange vor oder nach Medikamenten darf ich Grapefruit essen?

Eine sichere Zeitspanne lässt sich nicht pauschal nennen. Laut den Forschenden um Bailey kann die Wechselwirkung auch auftreten, wenn Grapefruit viele Stunden vor dem Medikament gegessen wurde, weil das Enzym dauerhaft gehemmt wird. Ob dein Medikament betroffen ist, erfährst du in der Apotheke.

Sind pflanzliche Mittel harmloser bei Wechselwirkungen?

Nein. Johanniskraut ist ein pflanzliches Mittel und gehört zu den am besten untersuchten Auslösern von Wechselwirkungen. Es kann den Spiegel von Gerinnungshemmern, Transplantationsmitteln, Cholesterinsenkern und der Pille senken.

Kann ich Magnesium oder Zink zu meinen Medikamenten nehmen?

Das hängt von deinen Medikamenten ab. Mineralstoffe können im Darm manche Wirkstoffe binden, wie die Studien zu Kalzium und Eisen mit Schilddrüsenhormon zeigen. Frag deshalb vor dem Start in der Apotheke nach, ob und mit welchem Abstand du sie nehmen kannst.

Gilt die Grapefruit-Warnung auch für normale Orangen?

Laut den Forschenden um Bailey enthalten Bitterorangen, Limetten und Pomelos dieselben Stoffe wie Grapefruit. Süße Orangen nennen sie in dieser Reihe nicht. Frag bei Unsicherheit in der Apotheke nach.

Muss ich als Raucherin oder Raucher beim Aufhören an meine Medikamente denken?

Ja. Nach einem Rauchstopp baut der Körper manche Medikamente langsamer ab, ihr Spiegel kann steigen. Sag deiner Ärztin oder deinem Arzt möglichst vorher Bescheid, dass du aufhörst, und ändere selbst nichts an der Dosis.

Woher weiß ich, ob ein Lebensmittel mit meinem Medikament wechselwirkt?

Ein erster Blick lohnt sich in die Packungsbeilage, im Abschnitt über die Einnahme zusammen mit Nahrungsmitteln und Getränken. Verlässlich für deine Kombination ist die Auskunft deiner Apotheke, deiner Ärztin oder deines Arztes.

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Quellen