Rückfall nach dem Rauchstopp: Was hinter Verlangen und Gewichtszunahme steckt — und was hilft
Die meisten Rückfälle passieren in der ersten Woche, ein Verlangen dauert nur wenige Minuten, und die Kilos nach dem Rauchstopp sind kein Grund weiterzurauchen. Was hinter Rückfall, Verlangen und Gewichtszunahme steckt und welche Hilfen laut Studien wirklich etwas bringen.
Elf Tage hast du es geschafft. Dann kommt der Grillabend bei Freunden, das zweite Bier, jemand hält dir die Schachtel hin, und bevor du nachdenken kannst, hast du die Zigarette in der Hand. Am nächsten Morgen ist da vor allem ein Gedanke: Jetzt ist eh alles kaputt. Gleichzeitig zeigt die Waage zwei Kilo mehr als vor dem Stopp, und irgendwo in deinem Kopf flüstert eine Stimme, dass Rauchen wenigstens schlank gehalten hat.
Genau an diesem Morgen entscheidet sich bei vielen, ob aus einem Ausrutscher ein Rückfall wird. Und genau hier helfen Zahlen mehr als gute Vorsätze. Denn die Forschung zeigt: Rückfälle sind häufig und folgen einem Muster, Verlangen ist kurz und lässt sich überbrücken, und die Gewichtszunahme ist real, aber deutlich weniger gefährlich als das Weiterrauchen.
Wir haben uns angesehen, was Langzeitstudien über den typischen Verlauf von Rückfällen zeigen, was Cochrane-Übersichtsarbeiten zu Rückfallvorbeugung, Bewegung und Gewicht herausgefunden haben und was die Schweizer Rauchstopp-Plattform stopsmoking.ch für den Alltag rät. Am Ende weißt du, wann die gefährlichsten Tage sind, was du in den drei bis fünf Minuten eines Verlangens tun kannst und wie du die Kilos einordnest.
Warum ist ein Rückfall nach dem Rauchstopp so häufig?
Weil Nikotin stark abhängig macht und der Entzug in den ersten Tagen am stärksten ist. Nach einer Auswertung von Hughes und Kollegen aus dem Jahr 2004 passieren die meisten Rückfälle in den ersten acht Tagen. Ohne Hilfe bleiben nach einem Versuch nur 3 bis 5 Prozent 6 bis 12 Monate rauchfrei.
Hughes, Keely und Naud haben 2004 in der Fachzeitschrift Addiction Rückfallkurven von Menschen ausgewertet, die ohne Behandlung aufhören wollten, also auch von Vergleichsgruppen aus Studien, die keine Hilfe bekamen. Alle Kurven zeigten dasselbe Bild: Der größte Teil der Rückfälle fällt in die ersten acht Tage. Die Forschenden raten deshalb, Hilfe vor allem auf die erste Woche auszurichten.
Nikotin erreicht laut stopsmoking.ch nach jedem Zug innerhalb von 10 bis 20 Sekunden das Gehirn und setzt dort Botenstoffe frei, die sich nach Belohnung und Entspannung anfühlen. Mit der Zeit bildet das Gehirn mehr Andockstellen für Nikotin. Fehlt es, melden sich diese Stellen mit Entzugszeichen. Rückfälle sind deshalb keine Charakterschwäche, sondern eine biologisch gut erklärbare Folge.
Wie viele Versuche es im Schnitt braucht, hat ein kanadisches Team um Michael Chaiton 2016 in BMJ Open mit 1277 Rauchenden geschätzt, die über bis zu drei Jahre begleitet wurden. Je nach Rechenweg kamen sie auf 6 bis über 140 Versuche; mit der Methode, die sie für am wenigsten verzerrt halten, auf rund 30. Ihr Fazit: Für viele Menschen kann es 30 oder mehr Versuche brauchen. Jeder Versuch, der scheitert, ist also Teil des Weges.
Warum sind die ersten zwei Wochen nach dem Rauchstopp entscheidend?
Weil sich dort zeigt, wie es weitergeht. In zwei Studien mit Nikotinpflaster waren von den Menschen, die in der zweiten Woche nach dem Stopp auch nur eine Zigarette rauchten, nach sechs Monaten 83 bis 97 Prozent wieder Raucherinnen und Raucher. Von denen, die in Woche zwei ganz rauchfrei blieben, waren 41 bis 46 Prozent nach sechs Monaten noch rauchfrei.
Kenford und Kollegen haben 1994 im Fachblatt JAMA zwei Studien mit 88 und 112 Menschen ausgewertet, die 15 oder mehr Zigaretten am Tag rauchten und mit Nikotinpflaster oder Scheinpflaster aufhören wollten. Weder die Zahl der Zigaretten noch ein Test zur Abhängigkeit sagte voraus, wer es schaffte. Am stärksten zählte etwas anderes: ob jemand in der zweiten Woche nach dem Stopp geraucht hatte.
Von allen, die nach sechs Monaten wieder rauchten, hatten 74 Prozent in der Pflastergruppe und 86 Prozent in der Scheinpflastergruppe schon in der ersten oder zweiten Woche wieder angefangen. Die Forschenden empfehlen deshalb, sich gerade in den ersten zwei Wochen engmaschig begleiten zu lassen.
Für dich heißt das: Plane die ersten 14 Tage besonders bewusst. Lege fest, was du in typischen Rauchsituationen stattdessen tust, sag Menschen in deinem Umfeld Bescheid und nutze Hilfe wie Nikotinersatz oder eine Rauchstopp-Linie genau in dieser Zeit. Und falls es in diesen Tagen doch passiert, ist das ein Warnsignal, kein Urteil.
Wie lange dauert das Verlangen nach einer Zigarette?
Ein einzelnes starkes Verlangen, Craving genannt, dauert laut stopsmoking.ch rund drei bis fünf Minuten. Die Entzugszeichen insgesamt beginnen in weniger als 24 Stunden, erreichen nach etwa drei Tagen ihren Höhepunkt und klingen über zwei bis vier Wochen ab. Einzelne Verlangen können aber noch lange danach auftauchen, etwa in vertrauten Situationen.
Craving ist das plötzliche, starke Verlangen nach einer Zigarette. stopsmoking.ch nennt als Auslöser unter anderem den Geruch von Rauch, Rauchgewohnheiten wie die Zigarette zum Kaffee oder nach dem Essen, Stress, gedrückte Stimmung und Dinge, die du siehst. Das Gute daran: Jede einzelne Welle geht nach wenigen Minuten vorbei, auch wenn es sich im Moment endlos anfühlt.
Der Entzug als Ganzes dauert länger. Der Suchtforscher John Hughes hat 2007 rund 120 Studien ausgewertet und Ärger, Angst, gedrückte Stimmung, Konzentrationsprobleme, Ungeduld, Schlafstörungen und Unruhe als gesicherte Entzugszeichen bestimmt. Sie erreichen in der ersten Woche ihren Höhepunkt und halten zwei bis vier Wochen an.
Wenn du dir in diesen Wochen notierst, wann dein Verlangen kommt, erkennst du schnell ein Muster: bestimmte Uhrzeiten, Orte oder Gefühle. Genau dort kannst du vorbauen, statt jedes Mal überrascht zu werden.
Was hilft sofort gegen das Rauchverlangen?
Bewegung hilft nachweislich. Eine Auswertung von 15 bis 17 Laborstudien fand 2013, dass schon kurze körperliche Aktivität das Rauchverlangen gegenüber Ruhe deutlich senkte. Daneben rät stopsmoking.ch, sich in den drei bis fünf Minuten abzulenken und typische Rauchsituationen zu verändern.
Haasova und Kollegen haben 2013 in der Fachzeitschrift Addiction die Rohdaten von Studien zusammengeführt, in denen Rauchende, die vorübergehend nicht rauchten, sich kurz bewegten, während eine Vergleichsgruppe das nicht tat. In allen Studien war das Verlangen nach der Bewegung geringer als in der Vergleichsgruppe, auch bei mäßiger Anstrengung. Die Forschenden sprechen von starken Belegen.
Für den langfristigen Rauchstopp ist das Bild weniger klar. Eine Cochrane-Übersicht von Ussher und Kollegen (2019) mit 24 Studien und 7279 Menschen fand keinen klaren Nachweis, dass Sportprogramme zusätzlich zur Rauchstopp-Begleitung die Erfolgsquote nach sechs Monaten erhöhen; die Gewissheit der Daten ist gering. Bewegung ist also ein gutes Werkzeug für den akuten Moment, ersetzt aber keine Begleitung.
Für Situationen, die eng mit dem Rauchen verknüpft sind, wie Kaffee, das Ende einer Mahlzeit, Langeweile oder Stress, rät stopsmoking.ch, eine andere Beschäftigung zu finden und Konflikte und Sorgen bewusst anzugehen, statt sie mit der Zigarette zu überdecken. Auch der Ort gehört oft zur Gewohnheit: Wer nach dem Essen immer auf dem Balkon geraucht hat, steht dort besser eine Weile nicht.
Ausrutscher oder Rückfall: Was ist der Unterschied?
Ein Ausrutscher ist eine einzelne Zigarette nach dem Stopp, ein Rückfall die Rückkehr zum regelmäßigen Rauchen. stopsmoking.ch rät, einen Ausrutscher ernst zu nehmen und zu verstehen, wie es dazu kam, aber ihn nicht als Scheitern zu werten. Wer danach direkt weitermacht, hat seinen Rauchstopp nicht verloren.
Viele Menschen denken nach einer einzigen Zigarette: Jetzt ist es eh egal. Genau dieser Gedanke macht aus einem Ausrutscher oft einen Rückfall. stopsmoking.ch, deren Inhalte die Krebsliga Schweiz verantwortet, formuliert es nüchtern: Ein Ausrutscher ist oft noch kein Rückfall, er kann aber zu einem führen.
Die Plattform rät, den Ausrutscher wie eine kleine Analyse zu behandeln: Wie kam es dazu? War es Alkohol, Gesellschaft, Stress oder Langeweile? Was hätte in diesem Moment geholfen? Mit diesen Antworten bist du beim nächsten ähnlichen Abend besser vorbereitet.
Die Daten von Kenford zeigen, warum das wichtig ist: Gerade in den ersten zwei Wochen kann eine Zigarette ein Zeichen sein, dass mehr Unterstützung nötig ist. Das ist der richtige Moment, um eine Rauchstopp-Linie anzurufen, mit der Apotheke über Nikotinersatz zu sprechen oder deine Ärztin oder deinen Arzt zu fragen.
Was hilft, einen Rückfall nach dem Rauchstopp zu verhindern?
Am besten belegt sind Medikamente über eine längere Zeit. In einer Cochrane-Übersicht mit 81 Studien und 69 094 Menschen senkte eine verlängerte Behandlung mit Vareniclin das Rückfallrisiko messbar, ebenso Nikotinersatz bei Menschen, die ohne Hilfe aufgehört hatten. Für reine Verhaltensprogramme zur Rückfallvorbeugung fand die Übersicht keinen klaren Effekt.
Livingstone-Banks und Kollegen haben 2019 für Cochrane untersucht, was Menschen hilft, die bereits aufgehört haben, rauchfrei zu bleiben. Wer nach einer erfolgreichen Behandlung länger Vareniclin nahm, war 1,23-mal so häufig weiterhin rauchfrei (mittlere Gewissheit). Bei Menschen, die ohne Hilfe aufgehört hatten, erhöhte Nikotinersatz die Chance auf 1,24-mal so viel.
Erstaunlich ist der zweite Teil des Ergebnisses: Programme, die Fertigkeiten im Umgang mit dem Rauchverlangen trainieren sollten, zeigten in den Studien mit Menschen, die schon aufgehört hatten, keinen nachweisbaren Effekt auf Rückfälle. Das heißt nicht, dass Strategien nutzlos sind, aber dass ein Kurs allein offenbar nicht reicht.
Für dich ist die praktische Folgerung: Wenn du mit Unterstützung aufgehört hast, setze sie nicht zu früh ab. Ob eine längere Behandlung für dich sinnvoll ist, entscheidest du mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Apotheke, ändere Medikamente nicht auf eigene Faust.
Warum nimmt man nach dem Rauchstopp zu?
Zum Teil, weil der Körper ohne Zigaretten weniger Energie verbraucht. In einer Messkammer stieg der Tagesverbrauch von 8 Rauchern mit 24 Zigaretten am Tag um 215 Kilokalorien, rund 10 Prozent, der Grundumsatz blieb gleich. Fällt das Rauchen weg, fällt dieser Mehrverbrauch weg. Dazu kommt bei vielen mehr Appetit.
Die bekannteste Messung stammt aus der Schweiz: Hofstetter, Schutz, Jéquier und Wahren ließen 1986 acht gesunde Raucher je 24 Stunden in einer Messkammer verbringen, einmal ohne Zigaretten und einmal mit 24 Zigaretten. Essen und Bewegung waren gleich. Mit Zigaretten stieg der Tagesverbrauch von 2230 auf 2445 Kilokalorien. Der Grundumsatz, also der Verbrauch in völliger Ruhe, änderte sich dagegen kaum.
Die Forschenden folgerten, dass der Energieverbrauch beim Aufhören sinkt und so die Gewichtszunahme begünstigt. Bei 24 Zigaretten am Tag sind das rund 9 Kilokalorien je Zigarette. Das klingt wenig, summiert sich aber Tag für Tag.
Dazu kommt der Appetit. Laut stopsmoking.ch wirkt die Zigarette appetithemmend; fällt sie weg, haben viele mehr Hunger und vorübergehend mehr Lust auf Zucker, vor allem in emotional schwierigen Momenten, in denen früher die Zigarette half. Die Gewichtszunahme ist also kein Zeichen mangelnder Disziplin, sondern eine erwartbare Folge.
Wie viel nimmt man nach dem Rauchstopp zu?
Im Mittel 4,7 Kilogramm im ersten Jahr, das zeigt eine Meta-Analyse von 62 Studien aus dem Jahr 2012. Das meiste davon kommt in den ersten drei Monaten. Die Spanne ist groß: 16 Prozent nahmen ab, 37 Prozent weniger als 5 Kilogramm zu, 34 Prozent 5 bis 10 Kilogramm und 13 Prozent mehr als 10 Kilogramm.
Aubin und Kollegen haben 2012 im BMJ die Gewichtsdaten aus 62 Studien von Menschen zusammengefasst, die dauerhaft rauchfrei geblieben waren. Ohne Behandlung nahmen sie im ersten Monat im Mittel 1,1 Kilogramm zu, nach zwei Monaten 2,3, nach drei Monaten 2,9, nach sechs Monaten 4,2 und nach einem Jahr 4,7 Kilogramm.
Menschen, die mit Medikamenten aufhörten, nahmen ähnlich viel zu wie jene ohne. Und auch wer sich zu Beginn besonders vor dem Zunehmen fürchtete, nahm nicht mehr zu als andere.
Der Verlauf zeigt dir, wann du besonders achtsam sein kannst: Die ersten drei Monate sind die Zeit mit der stärksten Zunahme. Wer das weiß, kann gezielt planen, statt von der Waage überrascht zu werden.
| Zeit nach dem Stopp | mittlere Zunahme |
|---|---|
| 1 Monat | 1,1 kg |
| 2 Monate | 2,3 kg |
| 3 Monate | 2,9 kg |
| 6 Monate | 4,2 kg |
| 12 Monate | 4,7 kg |
Quelle: Aubin et al., BMJ 2012, Meta-Analyse von 62 Studien mit Menschen, die dauerhaft rauchfrei blieben. Nach 12 Monaten nahmen 16 Prozent ab, 37 Prozent weniger als 5 kg zu, 34 Prozent 5 bis 10 kg und 13 Prozent mehr als 10 kg.
Was hilft gegen die Gewichtszunahme nach dem Rauchstopp?
Eine Methode, die die Kilos langfristig sicher verhindert, gibt es laut einer Cochrane-Übersicht von 2021 noch nicht. Bewegungsprogramme senkten das Gewicht nach 12 Monaten um rund 2 Kilogramm, bei geringer Gewissheit. Sichere Hinweise, dass Hilfen gegen die Gewichtszunahme den Rauchstopp gefährden, fand die Übersicht nicht; bei einer reinen Wissensschulung zum Gewicht gab es aber ein Warnsignal.
Hartmann-Boyce und Kollegen haben für Cochrane 37 Studien zu Programmen gegen die Gewichtszunahme und 83 weitere Studien zu Rauchstopp-Hilfen mit möglichem Einfluss aufs Gewicht ausgewertet. Ihr Fazit ist ehrlich: Für keine Maßnahme gibt es mit mittlerer Gewissheit einen klinisch spürbaren Langzeiteffekt.
Einzelne Hinweise gibt es trotzdem. Bewegungsprogramme brachten am Ende der Behandlung kaum Unterschied, nach 12 Monaten aber rund 2,1 Kilogramm weniger (3 Studien, geringe Gewissheit). Persönliche Begleitung beim Gewicht half kurzfristig um rund 1,1 Kilogramm (sehr geringe Gewissheit), nach 12 Monaten war kein Effekt mehr nachweisbar. Nikotinersatz bremste die Zunahme am Ende der Behandlung um rund ein halbes Kilogramm (mittlere Gewissheit).
Eine Warnung steckt ebenfalls in der Übersicht: Eine ausführliche Schulung zum Gewicht ohne persönliche Begleitung brachte keine Kilos weniger, und die Rauchstopp-Quote war in diesen zwei Studien sogar niedriger. Die Reihenfolge ist also wichtig: Zuerst das Rauchen, dann das Gewicht, und beides ohne Diät-Druck in den ersten Wochen.
Was dir im Alltag hilft, ist schlicht: regelmäßige Bewegung, die auch beim Verlangen hilft, und ein Blick darauf, ob Süßigkeiten gerade die Rolle der Zigarette übernehmen.
Ist die Gewichtszunahme gefährlicher als weiterzurauchen?
Nein. In der Framingham-Studie mit 3251 Menschen hatten jene ohne Diabetes, die in den letzten vier Jahren aufgehört hatten, ein um 53 Prozent geringeres Herz-Kreislauf-Risiko als Rauchende, obwohl sie typischerweise rund 2,7 Kilogramm zugenommen hatten. In drei großen US-Kohorten war das Sterberisiko nach dem Stopp in allen Gewichtsgruppen niedriger als beim Weiterrauchen.
Clair und Kollegen haben 2013 in JAMA geprüft, ob die Kilos nach dem Rauchstopp den Vorteil für Herz und Gefäße zunichtemachen. Das Ergebnis war eindeutig: Auch nach Berücksichtigung der Gewichtszunahme blieb das Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse bei den frischen Nichtrauchenden etwa halb so hoch wie bei Rauchenden. Bei Menschen mit Diabetes zeigte sich ein ähnlicher Trend, der aber statistisch nicht gesichert war.
Hu und Kollegen haben 2018 im New England Journal of Medicine drei große US-Kohorten ausgewertet. Eine starke Gewichtszunahme nach dem Stopp erhöhte das Risiko für Typ-2-Diabetes für einige Jahre, mit einem Höhepunkt 5 bis 7 Jahre nach dem Stopp. Das Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben, lag aber in allen Gruppen unter dem der Weiterrauchenden, auch bei mehr als 10 Kilogramm Zunahme.
Die Kilos sind also ein Thema, um das du dich kümmern kannst, aber kein Grund, mit dem Rauchen weiterzumachen oder wieder anzufangen. Hast du Diabetes oder ein erhöhtes Diabetesrisiko, besprich deinen Rauchstopp mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, damit ihr Gewicht und Blutzucker gemeinsam im Blick behaltet.
So hilft dir die YUTHI-App
In der YUTHI-App gibt es keinen Zähler, der bei einer einzigen Zigarette auf null springt. Rauchst du nach dem Stopp doch einmal, trägst du das im Bereich Rauchentwöhnung ein: Die Zigarette wird festgehalten und von den nicht gerauchten abgezogen, deine rauchfreie Zeit läuft aber weiter. Was zählt, ist die Richtung.
Kommt ein Verlangen, tippst du auf „Verlangen“. Die App hält den Moment mit Uhrzeit fest und zeigt dir eine Vier-Minuten-Übung: vier Sekunden ein- und sechs Sekunden ausatmen, zehnmal, ein Glas Wasser in kleinen Schlucken und ein kurzer Ortswechsel. Nach einigen Tagen siehst du, wann dein Verlangen typischerweise kommt, und unter „Hilfe & Beratung“ findest du die kostenlose Rauchstopp-Linie für dein Land.
Auch das Gewicht hat die App im Blick. Ab dem Tag nach dem Stopp zieht sie rund 9 Kilokalorien je Zigarette, die du vorher am Tag geraucht hast, von deinem Kalorienziel ab, höchstens 215, nach der Messung von Hofstetter. An einem Tag mit Ausrutscher entfällt der Abzug. Auf der Sport-Seite rechnet sie dir vor, wie viele Minuten zügiges Gehen den geringeren Verbrauch ausgleichen, und ein Hinweis erinnert dich daran, dass ein paar Kilo nach dem Aufhören kein Scheitern sind.
Und wie ist es bei dir: Was ist deine schwierigste Rauchsituation, der Kaffee am Morgen, das Bier am Abend oder der Moment nach einem Streit?
Häufige Fragen
Ist nach einer Zigarette alles umsonst?
Nein. Ein Ausrutscher ist laut stopsmoking.ch oft noch kein Rückfall. Wichtig ist, gleich weiterzumachen und zu verstehen, wie es dazu kam. Gerade in den ersten zwei Wochen ist ein Ausrutscher ein guter Anlass, mehr Unterstützung zu holen.
Wie lange dauert der Nikotinentzug?
Die Entzugszeichen beginnen laut stopsmoking.ch in weniger als 24 Stunden, erreichen nach etwa drei Tagen ihren Höhepunkt und klingen über zwei bis vier Wochen ab. Einzelne Verlangen dauern meist drei bis fünf Minuten.
Kann man nach dem Rauchstopp auch abnehmen?
Ja, bei manchen passiert das. In der Meta-Analyse von Aubin nahmen 16 Prozent der Menschen im ersten Jahr nach dem Rauchstopp ab. Im Mittel nahmen die Teilnehmenden aber 4,7 Kilogramm zu.
Soll ich direkt nach dem Rauchstopp eine Diät machen?
Die Studienlage spricht eher dagegen, beides gleichzeitig mit Druck anzugehen. Eine reine Wissensschulung zum Gewicht ging in zwei Studien mit weniger Rauchstopp-Erfolg einher. Bewegung ist ein guter Start, weil sie zugleich das Verlangen senkt.
Hilft Rauchen nicht gegen Stress?
Es fühlt sich so an, weil die Zigarette den kleinen Entzug seit der letzten beendet. In einer Cochrane-Übersicht von 2021 hatten Menschen nach dem Rauchstopp weniger Stress, Angst und depressive Beschwerden als jene, die weiterrauchten.
Wie viele Anläufe braucht man, um mit dem Rauchen aufzuhören?
Oft viele. Eine kanadische Studie mit 1277 Rauchenden schätzte 2016, dass es für viele 30 oder mehr Versuche brauchen kann. Jeder Versuch zählt als Übung für den nächsten.
Das war die Momentaufnahme. Die App macht daraus eine Begleitung.
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Quellen
- Hughes JR, Keely J, Naud S. Shape of the relapse curve and long-term abstinence among untreated smokers. Addiction. 2004;99(1):29–38.
- Kenford SL, Fiore MC, Jorenby DE, et al. Predicting smoking cessation. Who will quit with and without the nicotine patch. JAMA. 1994;271(8):589–594.
- Chaiton M, Diemert L, Cohen JE, et al. Estimating the number of quit attempts it takes to quit smoking successfully in a longitudinal cohort of smokers. BMJ Open. 2016;6(6):e011045.
- Hughes JR. Effects of abstinence from tobacco: valid symptoms and time course. Nicotine Tob Res. 2007;9(3):315–327.
- stopsmoking.ch (fachliche Inhalte: Krebsliga Schweiz). Mit dem Entzug umgehen.
- stopsmoking.ch (fachliche Inhalte: Krebsliga Schweiz). Rückfall verstehen.
- stopsmoking.ch (fachliche Inhalte: Krebsliga Schweiz). Gewicht kontrollieren.
- Haasova M, Warren FC, Ussher M, et al. The acute effects of physical activity on cigarette cravings: systematic review and meta-analysis with individual participant data. Addiction. 2013;108(1):26–37.
- Ussher MH, Faulkner GEJ, Angus K, et al. Exercise interventions for smoking cessation. Cochrane Database Syst Rev. 2019;10:CD002295.
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- Hofstetter A, Schutz Y, Jéquier E, Wahren J. Increased 24-hour energy expenditure in cigarette smokers. N Engl J Med. 1986;314(2):79–82.
- Aubin HJ, Farley A, Lycett D, et al. Weight gain in smokers after quitting cigarettes: meta-analysis. BMJ. 2012;345:e4439.
- Hartmann-Boyce J, Theodoulou A, Farley A, et al. Interventions for preventing weight gain after smoking cessation. Cochrane Database Syst Rev. 2021;10:CD006219.
- Clair C, Rigotti NA, Porneala B, et al. Association of smoking cessation and weight change with cardiovascular disease among adults with and without diabetes. JAMA. 2013;309(10):1014–1021.
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